2022 | Kunstmais

Leben stehlen.

Manchmal kommt es mir so vor, als würde ich Leben stehlen, wenn ich es mir leicht mache, eine Pause einlege oder Gründe suche, die meine Bequemlichkeit rechtfertigen. Wenn wir zur Zeit etwas im Übermass haben, dann sind das Gründe. Wir sind eine derart effiziente, schnelllebige Gesellschaft, dass nicht mal Zeit für einen Kaffee bleibt. Im Sitzen oder Stehen. To go! Immer beschäftigt und unterwegs.

Die Energie, die wir glauben zu sparen, wird an anderer Stelle verbraucht. Sie wird einfach umverteilt. Die Zubereitung, die Verpackung, die Lagerung und die Lieferung kosten natürlich Energie. Aber heute muss es schnell gehen, gerade bin ich müde oder habe jetzt einfach das Bedürfnis. Gründe gibt es viele.

Und wenn wir mal darüber nachdenken, suchen wir die Verantwortung überall: Produzenten, Werbung, Politik und Gesellschaft. Die Chinesen. Indien. Die USA! Wir wollen ja umweltbewußt sein. Nur nicht grade jetzt. Und überhaupt, die anderen machen ja auch.

Vielleicht sollten wir uns daran gewöhnen. Mikroplastik in der Natur, im Meer, im Essen, im Körper. Noch wissen wir nicht, welche Auswirkungen das hat. Bis dahin produzieren wir fleissig bis zur Gewinnmaximierung, konsumieren Zucker, Fett und Kunststoffteilchen. Wir entscheiden, welche Pflanzen wo zu wachsen haben, auf welche wir verzichten können, welche wir bekämpfen wollen und mit der Tierwelt das gleich Programm.

Wir nennen das Kontrolle. Und haben sogar das gute Gefühl, die Welt zu formen und zu schützen.

Für mich fühlt es sich an wie Leben stehlen. Unsere Lebenszeit, die unserer Kinder und der Erde auf der wir leben.

Und das alles für einen Kaffee im beschichteten Pappbecher mit Plastikdeckel.

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